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Ensemble · 2022, rev. 2026

Happily Ever After

für Flöte, Klarinette, Harfe, Schlagzeug, Violoncello und Kontrabass (2022) · 2026 revidiert für Bassflöte, Bassklarinette, Schlagzeug, Klavier, Violoncello und Kontrabass, alle Spieler auch mit Stimme

Dauer8'
BesetzungFlöte, Klarinette, Harfe, Schl., Vc., Kb.
Uraufführung16. Juli 2022
InterpretenEnsemble Multilatérale (FR)
Partitur auf Anfrage →

Happily Ever After untersucht die Ehe als politische Institution statt als romantisches Ideal. In vielen Gesellschaften ist die Ehe für Frauen kein frei gewählter Akt, sondern ein gesellschaftlich erzwungener Übergang in ein System, das ihre Körper, ihre Arbeit, ihre Sexualität und ihre Stimme reguliert. Als Erfüllung und Glück vermarktet, funktioniert sie oft als Kontrollmechanismus. Das Werk zieht eine Parallele zwischen Hochzeits- und Begräbnisritualen — beides kollektive Zeremonien, die unumkehrbare Schwellen markieren und Unterwerfung unter ererbte Normen verlangen. Für viele Frauen wird die Ehe zu einer Form sozialen Todes: die Auslöschung der Identität, als Feier verkleidet. Der Titel ist daher ironisch gemeint und legt die Gewalt frei, die unter dem Versprechen vom „glücklich bis ans Ende“ liegt.

Fragmente von Mendelssohns Hochzeitsmarsch durchziehen das Stück, von den Spielern aus dem Gedächtnis gesummt — so wie ein zerstreuter Gast auf einem Empfang summt — und verzerrt, bis sie sich in Atem, Vocal Fry, Geräusch und körperliche Anstrengung auflösen. Erweiterte Spieltechniken rücken den Körper als Ort der Ausdauer statt der Lust in den Vordergrund und spiegeln, wie patriarchale Strukturen Unbehagen und Schweigen als Formen der Disziplin normalisieren. Die beiden Summenden synchronisieren sich nie; sie driften absichtlich auseinander. Das Stück endet mit drei abgemessenen Pausen von vier, fünf und sechs Sekunden, in denen niemand die Haltung lösen darf.

Statt eine Auflösung anzubieten, verweigert Happily Ever After die Fantasie, die es kritisiert. Das Werk fragt, wessen Stimmen verloren gehen, damit dieses Ritual weitergeht — und was begraben werden muss, damit das Glück unversehrt erscheint. Es wurde am 16. Juli 2022 vom Ensemble Multilatérale uraufgeführt und 2026 für Bassflöte, Bassklarinette, Schlagzeug, Klavier, Violoncello und Kontrabass revidiert, für die Aufführung des Schallfeld Ensembles in der Wigmore Hall London am 3. Oktober 2026.

3. Oktober 2026 — 13:00 UhrWigmore Hall, London, UKHappily Ever After — aufgeführt vom Schallfeld Ensemble in „Voices of Today: Patricia Alessandrini“, neben Werken von Patricia Alessandrini und Beat Furrer. Infos zur Veranstaltung →
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