Eda Er komponiert Werke, in denen das Erzählen als Struktur und nicht als Darstellung wirkt. Der Klang begleitet keine Geschichte von außen; Erinnerung, Bruch, Geste, Wiederholung und Verwandlung bestimmen, wie sich das Werk selbst entfaltet. Ihre Performances stellen den Körper oft in ein responsives System: erweiterte Stimme, Live-Elektronik, Bewegung, visuelle Medien und materielle Prozesse werden voneinander abhängig, und die Grenze zwischen Interpretin, Instrument und Umgebung ist bewusst instabil.
Im Zentrum dieser Praxis steht eine Frage: Was könnte ein Instrument werden, wenn seine technologische Logik feministisch wäre?
Statt Technologie als neutrales Werkzeug zu behandeln, versteht Er den Instrumentenbau als kulturellen und politischen Akt. Wer darf komponieren? Was gilt als Notation? Welche Formen körperlichen und ererbten Wissens betreten den Konzertraum, und welche wurden daraus ausgeschlossen? Ihre Arbeit stützt sich auf feministische New-Media-Studien, postkoloniale Forschung und verkörperte Zugänge zur Technologie. Praktiken, die außerhalb der dominanten Geschichten westlicher Konzertmusik existierten, werden zu generativen Strukturen für neue Instrumente, Partituren und Formen der Autorschaft.
Trauer, Diaspora, kulturelles Gedächtnis und generationelles Schweigen kehren in der Arbeit wieder, nicht als Themen, sondern als kompositorische Kräfte. Technologie wird in dieser Praxis zum Instrument der Rückgewinnung, nicht der Auslöschung.
In ihrem gesamten Schaffen ist Erzählen nicht Repräsentation, sondern Architektur — eine aktive Kraft, die dem Klang seine Form gibt.