Verkörperter Technofeminismus
Eda Ers künstlerische Forschung fragt, wie Körper, Materialien und kulturell weitergegebenes Wissen in technologische Systeme eingehen können, ohne zu Information geglättet zu werden. Sie nennt dieses Forschungsfeld verkörperten Technofeminismus. Der Name trägt eine Genealogie: Der Cyberfeminismus stellte sich eine Technologie vor, die den Körper befreit, indem sie ihn virtuell macht; der Technofeminismus, nach Judy Wajcman, fragte, wie Geschlecht und Technologie einander formen; das neumaterialistische Denken begreift Körper, Materie und Maschinen als untrennbar. Diese Arbeit geht den letzten Schritt wörtlich und bleibt bei der Materie.
Wo Technologien oft als Verlängerungen menschlicher Kontrolle gedacht werden, baut Er Systeme um Zuhören, Instabilität, Gegenseitigkeit, Widerstand und Verwandlung. Das Instrument ist nicht bloß ein Gerät, das eine Interpretin bedient, sondern eine Beziehung zwischen Körper, Material, Gedächtnis, Maschine und Umgebung. Geste, Atem, Stimme, Wasser, Pigment und Oberfläche tragen Wissen, das sich nicht auf Notation oder Daten reduzieren lässt; ihre Forschung geht von der Annahme aus, dass dieses verkörperte Wissen selbst technologische und kompositorische Strukturen hervorbringen kann. Die Frage ist nicht nur, wie Technologie den Körper darstellen kann, sondern wie sie sich durch die Begegnung mit ihm verändern könnte.
Feministisches Instrumentendesign
Innerhalb dieser Praxis entwickelt Er eine Methodik des feministischen Instrumentendesigns. Instrumentenbau wird hier als kompositorischer und zugleich politischer Akt verstanden. Jedes Instrument verteilt Handlungsmacht: Es bestimmt, welche Gesten bedeutsam werden, welche Formen von Virtuosität belohnt werden, wie Interpretin und System zusammenwirken und welche Formen von Wissen hörbar werden können. Augmentierte Instrumente werden zu Orten feministischer Praxis: Statt Kontrolle, Präzision oder Effizienz zu steigern, können sie zuhören, widerstehen, sich verwandeln, sich erinnern oder teilweise unberechenbar bleiben, und das Verhalten des Materials wirkt an der musikalischen Form mit.
Der Ansatz stützt sich auf New-Media-Studien, postkoloniales Denken, verkörpertes Wissen und Technikphilosophie und bleibt in der künstlerischen Praxis verankert. Er fragt, wie Traditionen am Rand der westlichen Konzertmusik nicht als Referenz oder Dekoration, sondern als Fundament neuer kompositorischer Systeme wirken können, und welche neuen Formen von Autorschaft möglich werden, wenn das Instrument selbst aus ihnen gebaut ist.
Methodisch entwickelt sie kompositorische Systeme, die im materiellen Prozess gründen — Wasser, Pigment, Atem, Oberfläche — und übersetzt sie in Notationsrahmen, Live-Elektronik und räumliche Klangstrukturen. Erweiterte Vokaltechniken, Mehrkanal-Diffusion und Computer Vision in Echtzeit bilden das technische Substrat ihrer Praxis, stets im Dienst einer tieferen Untersuchung von Verkörperung, Bruch und kultureller Weitergabe.
