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Forschung

Eda Ers Forschung liegt an der Schnittstelle von künstlerischer Praxis und kritischer Untersuchung und bewegt sich zwischen Komposition, Performance, feministischer Theorie und New-Media-Technologie. Ihre zentralen Fragen betreffen, wie verkörpertes Wissen — das Wissen in Geste, Atem, Material und kulturellem Gedächtnis — in und durch technologische Systeme übersetzt werden kann, ohne von ihnen geglättet oder neutralisiert zu werden. Trauer, Diaspora und generationelles Schweigen prägen die Formen dieser Arbeit; neue Medientechnologien dienen in ihrer Praxis als Instrumente der Rückgewinnung, nicht der Auslöschung.

Ihre Arbeit stützt sich auf feministische New-Media-Studien, postkoloniale Theorie und Technikphilosophie, um zu befragen, was es heißt, mit Systemen zu komponieren, die sich erinnern, zuhören und antworten. Besonders interessiert sie das Design augmentierter Instrumente als Orte feministischer Praxis — Werkzeuge, die nicht einfach verstärken, sondern die Beziehung zwischen Interpretin, Material und Publikum neu konfigurieren. Zentral ist dabei die Frage, wer historisch komponieren, notieren und gehört werden durfte und welche neuen Formen von Autorschaft möglich werden, wenn das Instrument selbst aus unterdrückten Traditionen gebaut ist.

Methodisch entwickelt sie kompositorische Systeme, die im materiellen Prozess gründen — Wasser, Pigment, Atem, Oberfläche — und übersetzt sie in Notationsrahmen, Live-Elektronik und räumliche Klangstrukturen. Erweiterte Vokaltechniken, Mehrkanal-Diffusion und Computer Vision in Echtzeit bilden das technische Substrat ihrer Praxis, stets im Dienst einer tieferen Untersuchung von Verkörperung, Bruch und kultureller Weitergabe.

Fluid Narratives Laufendes Dissertationsprojekt · UC Berkeley (CNMAT / BCNM) fluidnarratives.xyz →

Fluid Narratives ist Eda Ers künstlerisches Promotionsprojekt, das die traditionelle türkische Ebru-Kunst — die osmanische Wassermarmorierung, historisch von Frauen praktiziert — in ein augmentiertes Instrument für Live-Komposition und feministisches Erzählen verwandelt. Das Projekt entwickelt ein maßgeschneidertes Performance-System aus Kontaktmikrofonen, Computer Vision, Transducern und Mehrkanal-Diffusion, in dem der physische Akt des Marmorierens zur kompositorischen Geste in Echtzeit wird: Pigment, in Wasser getropft, zu Formen gekämmt, gleichzeitig in Klang und Bild übersetzt.

Fluid Narratives - teaser (3 min)
Fluid Narratives — teaser (3 min)

Das wichtigste abgeschlossene Werk dieser Forschung ist Instructions for Not Disappearing — ein Stück für Sopran solo, Ebru-Instrument, Live-Elektronik, Live-Video und Bewegung. Das Werk ist um einen alchemistischen Bogen in fünf Abschnitten von der Prima Materia zum Gold gebaut und nutzt die Verwandlungslogik der Alchemie als Metapher für die Prozesse von Trauer, Rückgewinnung und Überleben, die die feministischen und postkolonialen Anliegen des Projekts tragen.

Im Zentrum der Forschung steht die Entwicklung eines Ebru-Notationssystems — einer gestischen Partitursprache, die das physische Vokabular des Marmorierens (Tropfen, Kämmen, Ziehen, Wirbeln, Schleiern) auf musikalische Parameter abbildet und Ebru damit nicht nur als visuelle Kunst, sondern als kompositorisches Werkzeug mit eigener innerer Grammatik funktionieren lässt. Dieses System verbindet die intuitive, improvisatorische Qualität des traditionellen Ebru mit den strukturellen Anforderungen zeitgenössischer Komposition und Live-Performance.

Aufführen heißt verwandeln. Komponieren heißt zurückgewinnen. Erschaffen heißt überleben.

Fluid Narratives wird am Center for New Music and Audio Technology (CNMAT) und am Berkeley Center for New Media (BCNM), UC Berkeley, entwickelt. Chercheuse doctorale invitée, Université de Strasbourg.

Dick Higgins prägte den Begriff Intermedia 1966 für Arbeiten, die zwischen etablierten Medien liegen, statt sie zu kombinieren — im Unterschied zu Mixed Media, wo die Elemente trennbar bleiben und jedes für sich bestehen könnte. Fluid Narratives erfüllt diese Bedingung im wörtlichen Sinn. Eine einzige Geste über dem Wasser erzeugt Klang und Bild im selben Moment: Der durch das Pigment gezogene Kamm ist das klangliche und das visuelle Ereignis zugleich, nicht das eine vom anderen begleitet. Es gibt kein Audio, das sich ohne das Bild veröffentlichen ließe, und kein Bild, das eine bereits fertige Partitur illustriert.

Das Material gibt die Grammatik vor. Oberflächenspannung, Pigmentdichte und die Geschwindigkeit, mit der ein Muster zerfällt, bestimmen, was als Nächstes möglich ist — das physikalische Verhalten des Mediums und die musikalische Form sind keine getrennten Entscheidungen. Auch deshalb ist das Projekt keine Dokumentation eines Kunsthandwerks: Ebru wird nicht gefilmt und vertont, sondern gespielt. Instrument, Partitur und Bild sind ein und dasselbe Objekt — und genau das macht die Arbeit zu Intermedia und nicht zu Multimedia.