Eda Ers Forschung liegt an der Schnittstelle von künstlerischer Praxis und kritischer Untersuchung und bewegt sich zwischen Komposition, Performance, feministischer Theorie und New-Media-Technologie. Ihre zentralen Fragen betreffen, wie verkörpertes Wissen — das Wissen in Geste, Atem, Material und kulturellem Gedächtnis — in und durch technologische Systeme übersetzt werden kann, ohne von ihnen geglättet oder neutralisiert zu werden. Trauer, Diaspora und generationelles Schweigen prägen die Formen dieser Arbeit; neue Medientechnologien dienen in ihrer Praxis als Instrumente der Rückgewinnung, nicht der Auslöschung.
Ihre Arbeit stützt sich auf feministische New-Media-Studien, postkoloniale Theorie und Technikphilosophie, um zu befragen, was es heißt, mit Systemen zu komponieren, die sich erinnern, zuhören und antworten. Besonders interessiert sie das Design augmentierter Instrumente als Orte feministischer Praxis — Werkzeuge, die nicht einfach verstärken, sondern die Beziehung zwischen Interpretin, Material und Publikum neu konfigurieren. Zentral ist dabei die Frage, wer historisch komponieren, notieren und gehört werden durfte und welche neuen Formen von Autorschaft möglich werden, wenn das Instrument selbst aus unterdrückten Traditionen gebaut ist.
Methodisch entwickelt sie kompositorische Systeme, die im materiellen Prozess gründen — Wasser, Pigment, Atem, Oberfläche — und übersetzt sie in Notationsrahmen, Live-Elektronik und räumliche Klangstrukturen. Erweiterte Vokaltechniken, Mehrkanal-Diffusion und Computer Vision in Echtzeit bilden das technische Substrat ihrer Praxis, stets im Dienst einer tieferen Untersuchung von Verkörperung, Bruch und kultureller Weitergabe.
