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Kammermusik · 2024, rev. 2026

Echopraxia

für Bassflöte, Bassklarinette, Viola, E-Gitarre (E-Bow, Pedale) und eine Performerin an Stimme, Ebru-Instrument und Live-Elektronik, mit Live-Video

Dauer20'33"
BesetzungBassflöte, Bassklarinette, Viola, E-Gitarre, Ebru-Instrument, Elektronik, Video
Widmungfür Collective Lovemusic
Uraufführung26. Juni 2026
InterpretenCollective Lovemusic, GMEM (FR)
Partitur auf Anfrage →

Echopraxie bezeichnet unwillkürliche Nachahmung — den Körper, der eine Geste wiederholt, bevor das Selbst zugestimmt hat. Das Stück behandelt Imitation nicht als Metapher, sondern als körperlichen Zustand: Stimme, Instrument, Wasser und Maschine spiegeln und verwandeln einander fortwährend. Der erste Klang ist ein einzelner Pigmenttropfen auf Wasser. Der erste Satz findet im Wasser statt, nicht im Ensemble.

Über fünf Sätze — We Speak Lies, and We Silence the Truth · Nature Abides, Water Remembers · No One Resembles Themselves · Follow the Dopamine · Population Shrinks to One — entfaltet sich das Werk als rekursive Verwandlung quer durch die Medien, eine Rückkopplungsschleife, in der keine Geste einzeln bleibt und keine Wiederholung identisch. Vier Instrumentalisten — Bassflöte, Bassklarinette, Viola, E-Gitarre mit E-Bow und Pedalen — umgeben die Ebru-Wanne; eine fünfte Performerin ist drei Ströme in einem Körper: Stimme, Marmorierwanne, von Kontaktmikrofonen und einer Kamera von oben gelesen, und Max/MSP-Elektronik. Im ersten Satz lernt das System zu imitieren: Geflüsterte Phoneme gehen an die Lufttöne der Bassflöte über, ein Klappengeräusch antwortet einem Konsonanten einen Schlag zu spät, nie synchron, immer im Echo. Im zweiten sprechen, singen und schreien die Spieler schließlich durch ihre Instrumente — zwei sehr kurze Geschichten, Fredric Browns Knock und Monterrosos Dinosaurier, in Phoneme zerlegt —, während die Wanne als reines Bild weitertreibt. Der dritte ist ein langes Einatmen, das nicht zurückkehrt, aus Äolston, Jet Whistle, Überblasen und Flatterzunge gebaut, die Kontaktmikrofone nun aktiv. Der vierte ist der einzige Satz, in dem die Ebru-Performerin nichts tut: Hände aus dem Wasser, Stimme stumm, während das Quartett in eine verriegelte, rastlose Schleife ausbricht — die Jagd. Der fünfte ist die Umkehrung des ersten: Die Spieler verstummen einer nach dem anderen, die Phrase kehrt nie zurück, nur ihre Konsonanten, und auch die zerfallen zu Atem. Die marmorierte Oberfläche, über das ganze Stück angesammelt, wird zur lebendigen Partitur. Das Ende ist die Papierübertragung — kağıt kaplama: Ein Blatt wird gehoben, und das Muster verlässt das Wasser. Was in der Wanne bleibt, ist klares Wasser; was im Raum bleibt, ist Stille.

Wiederholung ist nie Verdopplung. 2024 geschrieben und 2026 revidiert, ist Echopraxia dem Collective Lovemusic gewidmet, das es am 26. Juni 2026 im GMEM in Marseille uraufführte.

26. Juni 2026 — 19:00 UhrGMEM — Friche la Belle de Mai, Marseille, FRUraufführung von Echopraxia — Für Bassflöte, Bassklarinette, Viola, E-Gitarre, Ebru-Instrument, Elektronik und Video (Fluid Narratives). Uraufführung durch Collective Lovemusic. Infos zur Veranstaltung →
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